Eines Tages klingelt es an der Tür und Brown steht da mit drei Paketen.
Eigentlich waren nur zwei Generatoren unterwegs...... hmmmmm?
Ich mach sie auf, finde unsere beiden Generatoren - und noch was.
Ein wuchtiges Gehäuse wie die von mir wegen ihrer Robustheit sehr
geliebten Mono Max, aber mit EH-Anschluss. Absender ist Uwe Baur,
der Marketingchef von Hensel in Würzburg. Kein Anschreiben dabei,
Uwe ist telefonisch nicht erreichbar.
Okay, also erst mal auf ein stabiles Stativ damit und von allen Seiten
begucken . Hinten sind die bei Hensel üblichen Bedienelemente zu
finden, dazu eine zweite Digitalanzeige mit der Beschriftung flash/sec.
Hm. Ich mach einfach mal einen Reflektor drauf und schalte ein.
Miep. Ich drehe die Leistung rauf und runter (7 Blenden, wow....),
aber die zweite Anzeige bleibt dunkel. Ich stelle also vorsichtshalber
auf niedrigste Leistung und trau mich einfach so den Testknopf zu
drücken. Danach brauche ich erst mal frische Unterwäsche.
Gegen diese Gatling sehen alle anderen Blitze aus wie Vorderlader.
Später erzählt mir Uwe dass das ein Prototyp ist, sagt ich solle mal
ein wenig damit spielen und erzählen was ich davon halte.
Dieser Terminator unter den Blitzmaschinen schafft bis zu 31 Blitze
pro Sekunde, mit Leuchtzeiten bis runter zu 1/59.000 sec. Bei rund
100 Ws (das ist mehr als ein 580EXII oder SB-900) schafft er immer
noch 10 Blitze pro Sekunde. Mir fällt Chase Jarvis ein (filthy....!) und
Harold Edgerton. Eine poplige Aufgabe für dieses Gerät, das eigentlich
für 24-stündigen Dauereinsatz in der Industrie konstruiert ist.
Am gleichen Tag kommt zufällig meine persönliche technische
Genieabteilung in Form von Michael "Bolex" Buchmann (MBB) zu Besuch,
und es dauert nicht lange bis eine Höllenmaschine zum Einsatz kommt.
Diese Bilder entstehen:
MBB ist Cineast reinster Sorte. Schon vor 25 Jahren haben wir Schmalfilme
gedreht, nicht selten mit mir in tragisch.... äh, tragenden Rollen.
Schnell ist klar, dass wir einen Film zum Bild machen wollen.
Nun sind die einschlägigen Videoportale im
Internet voll von Making Ofs, und
alle sehen irgendwie gleich aus. Ein Fotograf
und eine Kamera mehr oder weniger
zähflüssig in Aktion, jede Menge Assistenten stehen mehr oder
weniger sinnvoll
in der Gegend herum und suchen die Handlung. Derweil versucht ein mehr oder
weniger stromlinienförmiges Model die Contenance zu bewahren oder wenigstens
nicht frierend auszusehen. Eine Wackelkamera verfolgt das Ganze aus Perspektiven
die ihr Besitzer für progressiv hält. Das Ergebnis wird noch dynamischer
geschnitten
und mit flotter Musik unterlegt, meist ohne an die GEMA oder Vlad Dracul zu denken.
(Und einer von den beiden saugt sogar Kindergärten an!)
Fertig. Und meist doof.
Nee, so nicht. Wir wollen es "hypsch" machen. Eye Candy. Mir kommt ein
sauteurer Werbespot von AEG unter, ich schicke MBB den Link und das Unglück
nimmt seinen Lauf: Wir sind uns einig und er beginnt ein Storyboard zu zeichnen.
Was er so "zeichnen" nennt....
Nachts dringen Schreie aus seinem Labor, und unaussprechliche Dinge passieren
in seiner Werkstatt.
"Hypsch" ist nämlich so 'ne Sache, wenn Dein Werfer so aussieht wie das hier:
Dies ist der originale "Werfer“ mit
dem die Bilder geschossen wurden.
Zweckmäßig, aber leider ohne die Handschrift von Phillippe Starck.
Glücklicherweise aber auch ohne die Handschrift von Luigi Colani.
Also haben wir ein wenig getrickst und statt einem einfachen
Making Of
einen richtigen Kurzfilm gebaut den man auch mal zu
Werbezwecken
zeigen kann. Wie dieser entstanden ist wird hier verraten. Robin Preston
sagt bei so was immer "manch einer würde töten für diese Informationen..."
Am Ende gibt’s dann noch ein richtiges Making
Of über den Film. So
wie oben beschrieben, nur ohne Modell und mit gemafreier
Musik.
(Hat da wer über das fehlende Model gejammert?)
Der Film entsteht....
So etwas muss gut vorbereitet werden.
Worin unterscheiden sich gut gehende
Filme von Flops? Es ist fast
immer die Story. Nur für coole Bilder oder tolle
CGIs gibt niemand
auf Dauer Geld an der Kinokasse ab. Und das gilt für
Kurzfilme
ebenso wie für mehrstündige Blockbuster.
Also haben wir erstmal viel Papier,
Bleistifte und einige Flaschen guten Rotweins
investiert um den Tod
der Glühbirne zu inszenieren. Laut Syd Field hat jeder Film
drei
Teile. Also warum sollte das hier anders sein. So ganz ernst gemeint
ist das
bei satten einskommafünf Minuten zwar nicht, aber im Groben
stimmt's schon.
Zerlegen wir mal den Aufbau:
1. Einleitung.
Der Handlungsort wird gezeigt, alle Hauptdarsteller werden präsentiert.
Establishing Shot
Erster Hauptdarsteller
Zweiter Hauptdarsteller
Das Opfer
Der Zuschauer bekommt den Ort der Handlung gezeigt, sieht dass es etwas mit Fotografie zu tun hat,
und der Hauptdarsteller tritt auch schriftlich in Erscheinung - auf dem Schaltplan. Der Zuschauer will
mehr wissen. Behaupten wir einfach mal so.
2. Teil.
Die Entwicklung, Spannung wird aufgebaut.
Das Opfer wird gefesselt.
Enter the bad guy
Der Komplize
Noch einer. Brutale Fresse.
Mit dem Auftritt der Magic Bullet ist klar
welches Schicksal die Glühbirne erleiden wird.
Armes Ding.
Natürlich ist der
Fortgang der Geschichte für den erfahrenen Zuschauer offensichtlich
und
vorhersehbar. Es gibt keinen weiteren Wendepunkt. Alle werden sterben. Das Ende ist nah.
3. Teil:
Zuspitzung, Höhepunkt und fulminanter Schlussakkord.
Dramatische Zuspitzung
Fulminanter Höhepunkt
Schluss
Haben wir jetzt das Happy End vergessen, oder ist das entstandene Bild das Happy End?
Eine Frage der
Perspektive......
Aber beenden wir hiermit den kurzen
Abstecher in die Dramaturgie (der vermutlich
eh niemanden so richtig
interessiert hat). Kommen wir zur Technik. Ihr wollt es doch auch....
Das Geschoss
ist aus einfachem Baustahl auf der
Drehmaschine hergestellt. Es war von Anfang an klar, dass das
Projektil einer echten Pistole viel zu schnell ist, um den
gewünschten Effekt zu erzielen. Harold
Edgerton hatte Leuchtzeiten um 1/1.000.000 sec. Das erreicht auch der Speed Max nicht, aber
an seine 1/59.000 sec Leuchtzeit kommt sonst keiner ran.
Also haben wir auch hier gebastelt, was zusätzlich den Vorteil hat dass wir und die Waffengesetze
gute Freunde bleiben. Die Oberfläche des Projektils wurde mit feinem Schleifpapier Körnung 1000
und
Chrompolitur "so lange bedudelt bis es ordentlich am Glänzen kam". (Sagt man so in Duisburg..)
Es hat
einen Durchmesser von ca. 13mm. Die Beschriftung darauf dient in erster Linie dazu, die
Drehbewegung beim Flug besser sichtbar zu
machen, und es ist natürlich ein "shameless marketing
plug" für unsere Arbeit und das tollste Studio der Stadt.
Die Kanone
sollte cool aussehen und ist daher
eine Attrappe. Es handelt sich um einen elektrischen Widerstand
wie
er normalerweise irgendwo in Lokomotiven verbaut wird. Über einen
der Schraubanschlüsse wurde
ein Stahlrohr geklebt. Die Leiste mit
den roten Lämpchen besteht aus einem schwarzen 8-er Legostein
mit abgefeilten Noppen. Danach acht rote Leuchtdioden rein,
Kabel dran und fertig. Die Leuchtdioden
werden mit einem Drehschalter
nacheinander eingeschaltet. Der Effekt ist ausnahmsweise echt. Das
ganze Ding ist ca. 20cm lang und liegt jetzt nutzlos im Schrank
herum. Wir hoffen, dass wir es irgendwann
als berühmtes Requisit für
ein kleines Vermögen auf ebay verschachern können.
Der Schaltplan
der als Hintergrund dient hat nix
mit dem Speed Max 500 zu tun. Den haben wir nur verwendet in der
Erwartung dass ganz sicher jemand in China das nachbauen würde. Wir haben uns wie die Schneekönige
gefreut bei dem Gedanken an die doofen Gesichter wenn sie feststellen dass Tonverstärker für
Kinofilmprojektoren nicht blitzen.....
Der Schaltplan ist einfach auf Papier ausgedruckt und auf den Tisch gelegt. Daher
ist auch ne Delle
drin, die man bei genauem Hinsehen auch deutlich
sieht. Aber irgendwas ist ja immer.
Die Glühbirne
war echt, die Ärmste. 25 Watt
Lebendleistung. Noch gibt es welche.
Sie wurde über einen
einstellbaren Transformator (Regeltrafo) versorgt, weil übliche
Baumarktdimmer bei
so kleiner Einstellung gerne deutlich flackern.
Der Trafo macht das nicht. Dafür quietscht er fürchterlich
wenn man
dran dreht, aber irgendwas… das hatten wir schon.
Noch ein paar Worte zur
Aufnahmetechnik
Der Film wurde mit Canon EOS 5D MkII
Kameras und Canon Objektiven gedreht. Der Hype darum ist derzeit
gewaltig (sicher auch weil der Wettbewerb und der klassische Videosektor das so nicht hinbekommt), die
Ergebnisse sind auch ganz okay, die Arbeit damit ist allerdings gewöhnungsbedürftig.
Doch das soll hier nur
am Rande erwähnt sein.
Der Film macht intensiven Gebrauch von
Fahraufnahmen. Dazu wurde die Kamera auf einer selbst gebauten
Laufschiene montiert.
Der Antrieb mit Kurbel und Seilzug
ermöglichte sehr gleichmäßige Fahrten. Weitere Hilfsmittel zur
Kamerabewegung wurden nicht verwendet.
Das Licht ist klassisches Stillife-Licht, verwendet wurde das jeweils 650W starke Pilotlicht von Hensel
Blitzköpfen an Tria Generatoren und ein C-Light 1000 mit Hensel EH-Anschluss. Damit stehen alle
Möglichkeiten der umfangreichen Lichtformervarianten aus dem Hause Hensel zur Verfügung. Bei einigen
Effekten haben wir hier und
da ein bisschen nachgeholfen. Im folgenden Bild z.B. ist das Display
des
Blitzgerätes natürlich viel zu dunkel für den gewünschten
Effekt.
Eine helle rote Leuchtdiode, mit
Klebeband auf den Blitz geklebt, bringt den Meisterfotografen ins
richtige Licht.
Schärfeverlagerungen sind momentan total angesagt. Nicht weil das immer so gut ist, aber weil es jetzt geht.
Erinnert sich wer an DTP für Hausfrauen mit Corel Draw - damals, in unserer Kinderheit? 25 Schriften auf einer
Seite, mit fünf verschiedenen Schnitten und acht Farben pro Zeile waren mindestens drin. Währenddessen
rotierten verdiente Typographen so schnell im Grab, dass man mit der Rotationsenergie ganze Städte hätte
mit Strom versorgen können. Die Büchse der Pandora ist offen. Seit es VDSLRs mit grossem Sensor und
entsprechend kleiner Schärfentiefe gibt sind alle aus
dem Häuschen und entdecken ein neues Stilmittel welches
Kino-Kameramänner seit über 100 Jahren verwenden. Aber sei's drum.
Schärfeverlagerungen mit Fotoobjektiven
machen keinen Spaß. Es gibt
keinen festen Anschlag (mehr), die Entfernungsskalen sind total ungenau und der
Drehwinkel ist viel zu klein. Da braucht es dann Hilfsmittel die man im
Video am Ende bewundern kann. Das geht
ja alles noch. Aber leider
verändern die meisten Fotoobjektive die Brennweite wenn man die Schärfe
verändert,
das heisst der Blickwinkel ändert sich. Und das nicht nur
ein bisschen. Auch die sonst sehr guten Canon Objektive
machen da keine Ausnahme. Sie "atmen". Bei einigen Aufnahmen fällt das nicht so sehr auf,
hier jedoch ist es tödlich:
Oben das Original - deutlich sichtbar pumpt die Vergrösserung.
Daher haben wir den Maßstab im
Videoschnittprogramm dynamisch mit fünf Keyframes verändert. Nach
ein paar Versuchen bekommt man das einigermaßen hin. Auf Dauer keine
Lösung aber erstmal reicht es.
Unten die gezoomte Variante ohne Grössenänderung.
Der dramatische Höhepunkt ist
natürlich komplett getürkt. Eine echte High Speed Aufnahme ist ja
mit der 5D MkII
bei 25 fps nicht drin. Also wurde das Projektil auf eine Stange
gesteckt und langsam auf der Stelle gedreht. Die
Kamerafahrt von der
Kanone bis zur Birne ist echt. Lichtreflexe im Hintergrund geben dem
Auge eine Orientierung
(Das ist eine Salatschüssel von Ikea). Das
Projektil wird mit einem Composing Programm eingesetzt. Hier bestimmt
man dann auch die Flugbahn und den Neigungswinkel mit einigen
Keyframes. Eigentlich ganz einfach.
Der Ton
ist komplett nachgebaut. Die 5D MkII eignet
sich nicht wirklich zur Tonaufnahme. Vergesst es einfach.
Alle
Geräusche sind einzeln mit MBBs altem Uher Report oder einem Fostex Field Recorder und einem
Sennheiser ME80 aufgenommen, digitalisiert und angelegt. Der
Filzschreiber welcher das Geschoss
beschriftet ist ein Stück
Styropor das über eine Blechplatte geschoben wird. Das
Abschussgeräusch
der Kanone ist das Einschaltschütz von einem alten Kinolampengleichrichter..... und so weiter und so fort.
Der Knall am Ende ist echt. Glühbirne
auf Betonboden. Leider ist wie so oft ein echter Ton nicht gut
genug,
und so musste auch noch eine alte Fensterscheibe dran glauben. Den
Rest macht der Mischer.
Weitere Details hält der Foley Artist lieber
im Nebel.
Die Musik stammt von der CD Crying
Angel von Michael Donner, der sehr gute Filmmusik komponiert.
In
seinen Archiven wird man eigentlich immer für alle Lebenslagen
fündig.
Die gesamte reine Drehzeit für den Film lag bei knapp über 6 Stunden.Wir glauben mit breitem
Grinsen dass die Jungs die mit ihrem AEG-Spot die erste Inspiration für die Bildsprache geliefert
haben weit länger gebraucht haben. (Gut, das sieht man auch am Ergebnis.....ein bisschen.)
Abblende
So, das war's für heute. Zum Schluss
noch ein richtiges Making Of Video zum Film. Ohne Modell und mit gemafreier
Musik, aber es sollte hoffentlich alle offenen Fragen klären. Ansonsten findet der geneigte Leser hier die Möglichkeit
weitere bohrende Fragen zu stellen.
Crew:
Michael Buchmann, Michael Quack, Erik Golz, Tobias Buchmann: Kamera
Michael Buchmann: Ton und Schnitt und Anlagenbau und Anlagenfaken
Sylvia Sievers: Catering
Emilia Sievers: Gute Laune
Studio: Visual Pursuit, Düsseldorf
Kameras: Canon EOS 5D MkII
Objektive: Canon EF 2,8/100 mm IS USM Macro, EF 1,2/85mm USM L,
Canon EF 2,5/50mm Compact Macro, Canon EF 2,8/70-200mm IS USM L
und andere.
Licht: Hensel EH Pro Mini und C-Light 1000 Lampenköpfe mit Hensel Lichtformern
Ton: Uher Report und Fostex FR2 LE