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Matrixmessung: Theorie
Lotto für Kassenpatienten
Fast alle Camerahersteller bieten in Ihren Cameras eine sogenannte Matrixmessung
oder Mehrfeldmessung
an und suggerieren eine perfekte Belichtung auch unter
schwierigen Bedingungen.
Diese Systeme versuchen, mittels verschiedener Messpunkte ein Bild zu
analysieren und entsprechend den
gemessenen Helligkeits- und Kontrastwerten
zu korrigieren.
Dazu werden je nach Cameramodell unterschiedlich viele Messpunkte
ausgewertet. Früher gerade mal 6,
inzwischen bis zu 60 Messpunkte und mehr gehen
in die Messung ein. Ausgewertet werden Grundhelligkeiten
(Ist es Tag
oder Nacht?) Kontraste (Innenaufnahmen mit Blick nach draussen ?) und
generelle Anteile heller
und dunkler Flächen.
Mit etwas Glück passt das Szenario vor mir dann genau auf ein zuvor analysiertes Musterbild, dessen Analytiker
zu allem Überfluss meinen Geschmack teilt. Sehr viel wahrscheinlicher wird das aber ein Griff in's Klo.
Ich erkläre das mal an meinem Lieblingsszenario:
Wir befinden uns in einem Restaurant mit einem grossen Panoramafenster,
durch das man die hell sonnenbeschienene
Landschaft sehen kann.
Vor uns sitzt am Tisch eine Frau oder ein Mann im Profil zu uns, mit dem
Kopf etwa auf
zwei Drittel des Bildes.
Wir können nun:
1) Die helle Landschaft mit der Spotmessung anmessen, und die Frau
oder den Mann als schwarze Silhouette im
Profil zulaufen lassen.
Das Bild ist richtig belichtet.
2) Das Gesicht der Person anmessen, und die helle Landschaft
ausfressen lassen. Das Bild ist richtig belichtet.
3) Die helle Landschaft anmessen, und das Gesicht der Person mit
dem eingebauten Blitz der Kamera aufhellen.
Das Bild ist richtig
belichtet.
Und dann haben wir noch nicht berücksichtigt, dass eventuell im Raum Glühlampenlicht vorherrscht und man
noch die Wahl zwischen der Abstimmung auf Glühlampe oder Tageslicht draussen hätte....
Der geneigte Leser wird jetzt bemerkt haben, dass zwischen
diesen drei Varianten mindestens sechs Blenden und
eine
komplett andere Lichtverteilung liegen. Alle drei Varianten
wären "richtig". Aber welche Interpretation der
Situation
wählt die Kamera? Na?
Aha.
Mit Blitz sieht das eher noch komplexer aus. Sämtliche Sorten Blitzmessung funktionieren nur dann
akzeptabel wenn eher flaches Vorderlicht verwendet wird - Aufsteckblitz im weitesten Sinne.
Das ist dann aber meist auch ziemlich scheussliches Licht. Verwendet man den Blitz entfesselt,
bekommt man spannenderes Licht. Und stellt die Kameramessung vor eine unlösbare Aufgabe.
Alternativ zur Nutzung der Matrixmessung kann man auch Lotto spielen. Aber ehrlich, weil ich meine
Bilder auch
so haben will wie *ich* mir das denke, benutze ich weder automatische Belichtungsregelungen,
noch solche
Lottofunktionen.
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