Im Internet und den verschiedenen Foren kursieren viele Gerüchte darüber was ein Lichtformer kann, wann man ihn
verwenden muss (!) und vor allem in welchem Abstand vom Motiv man ihn verwenden darf.....
Einen Teil davon kann man sich nach einem Blick in den Lichtformervergleich als reinen Unsinn von der Backe putzen .
Dem Rest werde ich mich nach und nach widmen.
# 1: Der Beauty Dish
Ursprünglich hiessen die Dinger AC-Soft Reflektor, hatten meist 22"/56cm Durchmesser und es gab sie in
Titandioxidweiss oder Silber. In Silber wiederum gab es sie in Alu geglänzt oder Alu natur. Das "AC" stand
der Legende nach für eine mathematische Funktion, die die Kurve des Reflektors beschreibt. Fragt mich bloss
nicht, welche Funktion das sein soll....
Die ersten Versionen die fast alle Hersteller mehr oder weniger gleich produzierten waren nicht sonderlich
beliebt. Üblich war ein mehr oder weniger parabolischer Hauptreflektor mit einem mittigen Deflektor
der auf drei Metallstiften montiert war. Viele Dritthersteller schafften die Abstimmung von Parabolspiegel
und Deflektor nicht, was in sehr ungleichmäßigen Ergebnissen resultierte.
Bild: Der AC-Weichstrahler, Hensel Prospekt aus dem Jahre 1984
Das Ding mit der Beliebtheit änderte sich schlagartig als Hensel die Konstruktion überarbeitete und eine
neue Version mit Lichtleitblechen herausbrachte, die eine Vielzahl neuer Möglichkeiten einführte. Zu allem
Überfluss ersann man die marketingtechnisch geniale Bezeichnung "Beauty Dish". Das ist seitdem zumindest
nach Namen einer der meistverkauften Lichtformer, leider jedoch ohne dass alle Schüsseln die sich so
schimpfen die gleiche Leistung bringen würden. Manch einem Käufer reicht aber sicher die Bezeichnung
"Beauty Dish" als Grund für eine Kaufentscheidung.
Die Version mit den Lichtleitblechen datiert aus 2006 und wurde 2008 noch einmal überarbeitet. Dabei wurde
eine Randsicke eingeführt die die Aufnahme einer Vollwabe über den ganzen Lichtformer möglich machte.
Bild: Hensel ACW Beauty Dish weiss in der aktuellen Form
Zunächst mal dazu was das Original liefert:
Es liefert einen Lichtkegel mit einem Hot Spot in der Mitte und deutlich abfallender Helligkeit zum Rand des
Lichtkegels. Die meisten "normalen" Lichtformer aus Blech haben eine recht gleichmässige Helligkeit über
den gesamten Lichtkegel. Der Lichtkegel ist auch vergleichsweise scharf begrenzt.
Man verwendet einen Beauty Dish um mittig einen Akzent zu setzen, der Umgebung aber auch noch Licht
zukommen zu lassen.
Man kann beim Hensel Beauty Dish auch den Deflektor abnehmen, dann wird der Helligkeitskontrast zwischen
Zentrum des Lichtkegels und dem Rand höher. Setzt man dann statt des Deflektors eine 7" Wabe ein, kann
man den Durchmesser des hellen Zentrums noch verkleinern.
Zusätzlich kann man bei den offenen Varianten ohne Deflektor - mit oder ohne Wabe - das Zentrum des
Lichtkegels mittels Gelfiltern farblich gegenüber dem Rand absetzen. Dazu ist im Kit ein Filterhalterblech
enthalten.
Bei allen Varianten kann man zusätzlich die Vollwabe einsetzen, damit bleibt die Charakteristik des Lichtformers
unverändert, wird aber auf einen kleineren Bereich eingegrenzt.
Diese Lichtcharakteristik bleibt natürlich gleich, egal ob man das Motiv in einem, zwei oder zehn Metern stehen
hat. Beleuchte ich damit eine Raumecke, setze ich den Hotspot in die Ecke. Der zum Rand in der Helligkeit
abfallende Lichtkegel sorgt dann dafür dass die näherliegenden Wände nicht ausbrennen. Beleuchte ich damit
ein Model, hebe ich es aus seiner Umgebung heller und ggf auch farblich abgesetzt hervor.
Hensel liefert Beauty Dishes in weiss und strukturiertem Silber. Im Ausseneinsatz ohne reflektierende Wände
sind sie lichttechnisch am Motiv identisch, die silberne Variante hat allerdings eine höhere Effizienz, man muss
die Leistung also nicht so weit aufdrehen bzw kann aus höherem Abstand arbeiten.
In Innenräumen eingesetzt produziert die weisse Variante mehr diffuses Streulicht, je nach Raum kann das die
Schatten etwas flacher machen. Für die weisse Variante braucht man immer mehr Blitzleistung als für die silberne
Variante. Dafür ist die weisse Variante etwas gleichmässiger und verzeiht auch kleinere Dellen ohne gleich den
Lichtkegel zu verbiegen. Ich ziehe die weisse Variante vor, aber ich habe auch noch eine silberne Variante alter
Bauform (AC-Weichstrahler) für den MH-Anschluss (Mono) die gelegentlich noch eingesetzt wird.
Dritthersteller:
Soweit ich weiss ist Hensel der einzige Hersteller der die Beauty Dishes mit Lichtleitblechen und Wabenvarianten
liefert, das hat sich noch niemand getraut nachzubauen. Bei vielen Billigschüsseln ist es so, dass die
Abstimmung zwischen Deflektor und Schüssel nicht passt, deswegen kann Licht am Deflektor vorbei direkt
auf's Motiv fallen. Das Resultat ist ein kreisrunder Schatten (vom Deflektor) in der Bildmitte, umgeben von einem
hellen Kreis, der vom Schatten der drei Befestigungsstreben in drei Segmente geteilt wird.
Bild: Lichtkegel nach Lehrbuch und Lichtkegel vieler Billigschüsseln (Photoshop-Illustration)
Das rechte Ergebnis ist dann im Zweifel natürlich das genaue Gegenteil dessen was solch ein Lichtformer bewirken soll.
Einer der Gründe warum ich sehr darauf dringe dass man sich das Material welches man zu kaufen beabsichtigt vorher
live ansehen soll. Einige Hersteller schaffen die Abstimmung von Deflektor zu Parabolspiegel, andere gar nicht, und einige
nicht für alle Anschlüsse. Die Blitzröhre darf an keiner Stelle direkt nach vorne leuchten. Dritthersteller die für eine Vielzahl
von Blitzköpfen eine Grundschüssel mit jeweils anderen Anschlüssen versehen schaffen es nicht das für jeden
Anschluss gleich gut hinzubiegen. Die meisten Selbstbauten der Strobisten aus Salatschüsseln, Radkappen und
Co zeigen den rechts sichtbaren Lichtkegel, sind damit natürlich mehrheitlich nutzlos.
Zum Schluss noch was für's Auge:
Demnächst mehr in diesem Theater.....
Disclaimer: Alle Angaben werden nach bestem Wissen und Gewissen gemacht. Wir sind aber
nicht unfehlbar. Für Fehlerkorrekturen oder/und ggf weitere Informationen sind wir sehr dankbar.
Alle Beschreibungen sind unter unseren Arbeitsbedingungen entstanden, die wir bestmöglich zu
beschreiben versuchen. Wir garantieren nicht dass jemand anders die gleichen Ergebnisse erzielen
kann, dazu gibt es zuviele mögliche Dritteinflüsse.