High Key - Low Key (Work in progress - to be completed)

Ich schreibe diesen Text weil ich mal wieder in einem Forum über die Frage gestolpert bin

"wie man denn High Key macht", und ein Grossteil der Antworten bestenfalls irreführend

zu nennen war.

Fangen wir also ganz vorne an und arbeiten uns dann durch. Fragt man 10 Knipser,

bekommt man 11 Definitionen für High Key und 15 für Low Key. Allgemeingültig kann

man das jedoch nicht definieren, daher zuerst die Grundlagen.

Begriffserklärung:

Key ist ein englisches Wort und bedeutet Schlüssel, Note (Ton), Taste.

Für den Bereich Fotografie meint dies das bestimmende Licht für die Aufnahme,

die vorherrschende Farbe bzw der vorherrschende Helligkeitsbereich.

Historisch:

High Key und Low Key sind Begriffe aus dem frühen Film.  Mangels Ton musste

man andere Möglichkeiten finden Helden und Schurken klar voneinander abzugrenzen.

Man machte das indem man Helden eher hell, oft weiss kleidete, die Schurken

trugen dunkle Gewänder. Gleichzeitig hängte man das Führungslicht ("key") für die

Helden eher hoch ("high") auf, und beleuchtete die Umgebung auch in eher hellen und

freundlichen Tönen ("keys") .

Das Führungslicht ("key") für die Schurken platzierte man eher tief ("low"),und die Umgebung

liess man auch gerne in dunklen Tönen ("keys") absaufen. Man kann das gut sehen, wenn

man sich alte Stummfilmstandbilder ansieht. Helden wie zum Beispiel Tyrone Power, Errol Flynn

Douglas Fairbanks im Vergleich zu Schurken wie Bela Lugosi, Basil Rathbone, Vincent Price.

"Frankensteinlicht", ist ein typisches Low Key, weil das Führungslicht von unten kommt.

Das muss dabei nicht zwingend dunkel sein, auch wenn es das meist ist.

Hartes Licht / Weiches Licht

Oft findet man im Netz die Behauptung High Key bestünde aus weichem Licht, Low Key

aus hartem Licht. Das ist so pauschal blanker Unsinn, es geht sowohl als auch.

Ein hartes Licht knapp oberhalb des Objektivs macht zwar auch einen  harten Schatten,

wenn der aber nur als dünne Linie unter Kinn und Nase zu sehen ist, wird er keinesfalls

bildbestimmend, die hellen Töne bleiben vorherrschend. Umgekehrt gilt das gleiche für

Low Key. Ein Bild von einem Schornsteinfeger mit geschwärztem Gesicht der vor einer

schwarzen Wand oder in einem Kohlenkeller steht wird auch weich beleuchtet Ton in

Ton sehr dunkel bleiben.

Überbelichtung / Unterbelichtung

High Key Bilder haben überwiegend sehr helle Bildtöne, Low Key Bilder dagegen  eher

dunkle Töne. Diese erreicht man vorzugsweise durch korrekte Belichtung und die Wahl

geeigneter Umgebung sowie geeigneter Accessoires. Man sollte auch passende Typen

auswählen. James Brown wäre zum Beispiel nicht mein Lieblingsmotiv für High Key.

Sind die Farben gewählt, sollte man sie richtig beleuchten und belichten. Oft hört man

dass Hintergründe überbelichtet werden sollen, manche versteigen sich sogar so weit

dem Hintergrund zwei Blenden mehr Licht als dem Hauptmotiv mitgeben zu wollen.

Das führt zu nichts anderem als zu Brillanzproblemen und meist heftiger Überstrahlung

von hinten. Vorausgesetzt man hat eine wirklich weisse Wand im Hintergrund, kommt

man bequem hin wenn diese weisse Wand genau das gleiche Licht bis eventuell eine

Drittelblende mehr als das Hauptmotiv bekommt. Überbelichtung ist weder nötig noch

sinnvoll! Das gleiche gilt umgekehrt für Low Key - es reicht wenn dunkle Töne dunkel

wiedergegeben werden, man sollte sie nicht unterbelichten, sonst bekommt man

Tonwertabrisse,die als hässliche Klumpen und Treppchenbildung in Verläufen sichtbar

werden.

How to do High Key

 

Ja, wie macht man das denn jetzt? Im Prinzip ist es ganz einfach. Man wählt zunächst

mal ein helles Motiv. Blasse Gesichter mit hellblonden Haaren sind sinnvoller als die

Models frischgebräunt aus dem Prolltoaster mit schwarzen Haaren zu wählen.

Dazu helle bis weisse Kleidung, helle bis weisse Umgebung und man hat den grössten

Teil schon hinter sich. Wahlweise weisse Tassen auf weissen Untertassen auf weissen

Tischtüchern, wenn man High Key nicht zwanghaft mit Menschen verbinden will.

Das beleuchtet man dann so dass entweder gar nicht erst Schatten entstehen oder

man versucht diese so zu positionieren dass sie nicht bildbestimmend sind.

Man kann also weiches Licht von allen Seiten nehmen, man kann aber auch ein hartes

Licht nehmen, das knapp über der optischen Achse positioniert wird. Weil das Licht

mit dem Quadrat der Entfernung abnimmt, muss man bei künstlicher Beleuchtung

(Glühlampen oder Blitz) oft eine zweite Lampe für den Hintergrund einkalkulieren.

Die versteckt man zweckmässigerweise hinter dem Modell, oder man nimmt zwei

Lampen von rechts und links um gleichmässige Ergebnisse zu bekommen.

Modell und Hintergrund sollten genau gleich viel Licht bekommen, und man sollte

aus der Kameraposition alles was vom Hintergrund nicht im Bild sein muss mit

schwarzen Flags und Stellwänden abdecken. Schon fertig.

Piesepampeleinfach und zu Hause schon mit Baustrahlern nachzubauen. 

 

How to do Low Key

Im  Prinzip geht das genau so wie High Key - nur umgekehrt. Man wählt gebräunte

Gestalten mit dunklen Haaren und dunkler Kleidung in Räumen mit dunklen Wänden

oder mattschwarz lackierte Federhalter auf dunklem Holz oder Schiefer - schon

hat man viele dunkle Töne zusammen. Man belichtet so dass Schwarz auch Schwarz

bleibt, hält das Bild dunkel, lässt es aber nicht absaufen. Digital würde ich sogar eher

reichlicher belichten (nur so weit, dass an keiner Stelle Spitzlichter ausbrennen, auf

jeden Fall Highlight Warning aktivieren) und dann in EBV die Tonwerte wieder drücken.

Das führt zu höherem Tonwertreichtum im fertigen Bild und macht schönere Tonwertverläufe

in den Schatten. Man nutzt damit den vollen dynamischen Umfang des Sensors aus.

Bei Low Key kann man das Führungslicht auch mal tiefer hängen, Unterlicht erzeugen

wenn das Bild bedrohlich erscheinen soll. Wenn es nur warm aber dunkel erscheinen soll

ist das dagegen keine gute Idee. Seitliches Führungslicht oder gar Streiflicht von schräg

hinten (Streiflicht ist in vielen Fällen kein Low Key, aber in noch mehr Fällen alles was der

Kursleiter kann....) gehen auch, man produziert sichtbare Schatten als Gestaltungsmittel.

Damit ist Low Key auch fertig, und genauso einfach.