Flash Power ..... wie stark ist mein Blitz, wie stark sollte ein Blitz sein?
Darüber haben schon viele Leute geschrieben, was nicht heisst, dass alle dazu was Richtiges geschrieben haben.
Wie hängt denn jetzt die Leitzahl mit der Leistung in Ws zusammen?
Die Antwort ist einfach: Fast gar nicht.
Die gespeicherte Leistung berechnet man aus der Kapazität des Blitzkondensators und der Blitzröhrenspannung
(Ladeschlußspannung des Blitzkondensators). Sie wird in Ws oder Joule angegeben. Ein Aufsteckblitz wie z.B.
ein Nikon SB 900 oder ein Canon 580 EX II haben typischerweise zwischen 60 und 70 Ws gespeicherter
Leistung, Metz gibt die Stabblitzserie der 45er Reihe mit 110 Ws an.
Das ist aber keineswegs auch immer die abgegebene Leistung, denn abhängig von der Entladeschlußspannung
bleibt Ladung im Kondensator übrig. Gespeicherte Energie minus Restenergie ist abgegebene Energie.
Was davon am Motiv ankommt, hängt dann auch wieder von einer Vielzahl an Faktoren ab. Durchmesser, Länge,
Innendruck, die Art der Gasfüllung und das Material der Elektroden einer Blitzröhre haben grossen Einfluss auf
die Lichtmenge, die aus der abgebenen Energie erwirtschaftet wird. Eine nackte Blitzröhre wiederum verteilt ihr
Licht gleichmässig im Raum, eine Blitzröhre im Brennpunkt einer Parabolschüssel konzentriert das Licht auf eine
deutlich kleinere Fläche.
Bei Systemblitzen/Aufsteckblitzen ist der Blitzkopf fest mit dem Generatorteil verbunden, und auch der Lichtformer
ist meist ein fest verbundener Reflektor. Man kann also mit Sicherheit sagen wieviel Licht aus dem Zusammenspiel
der einzelnen Komponenten unter normalen Betriebsbedingungen resultiert. Daraus ermittelt man die sogenannte
Leitzahl, die für eine bestimmte Reflektorstellung und eine bestimmte Nennempfindlichkeit für Entfernungen in
Meter oder Fuss angegeben wird.
Eine Leitzahl von 40 bezogen auf Entfernungsangaben in Meter und eine Nennempfindlichkeit von ISO 100 bedeutet
dass der Blitz in genau 1m Entfernung exakt richtig belichtet für eine Blende von 40. In zwei Metern Entfernung
passt Blende 20, in vier Metern passt Blende 10.
Leitzahl geteilt durch die Entfernung in Metern ergibt also die richtige Blende die man einstellen sollte.
Welche Leitzahl hat denn jetzt mein Studioblitzgerät?
Gar keine. Immerhin kann man eine Vielzahl von Lichtformern verwenden, die alle unterschiedlich effizient
das Licht bündeln oder streuen. Bei Blitzanlagen mit separatem Generator und Kopf kann man ausserdem
noch verschiedene Blitzröhren anschliessen (normale, dreipolige Speedröhren, Ringblitz, Longlights...),
und nicht zuletzt spielt die Kabellänge und der Kabelquerschnitt eine Rolle. Je nach Innenwiderstand der
Röhre resultiert auch eine unterschiedliche Entladeschlußspannung, das heisst es hängt auch von der
Röhre ab wieviel von der gespeicherten Leistung letztendlich abgegeben wird.
All das verhindert eine einfache Antwort, auch wenn sich manch einer versucht fühlt solch eine einfache
Antwort geben zu wollen.
Wie vergleicht man denn jetzt?
Am besten nicht direkt. Immerhin haben Aufsteckblitze und Studioblitzanlagen auch völlig unterschiedliche
Einsatzgebiete. Das geht schon bei der Dauerbetriebsfestigkeit los.
Was tut der Profi?
Der geht nach der Angabe der gespeicherten Leistung, und er weiss dass die Antwort eben nicht 42 ist.
Studioblitzhersteller versuchen in erster Näherung mit der Leitblende Vergleichbarkeit herzustellen.
Die Leitblende ist eine Eigenschaft des jeweiligen Lichtformers in Verbindung mit einem standardisierten
Blitzkopf, angegeben für eine bestimmte Nennempfindlichkeit.
Sie gibt die erzielbare Blende in 2m Entfernung mit einem bestimmten Blitzkopf bei voller Leistung an,
meist nimmt man einen Kompaktkopf mit 500 Ws.
Wieviel Leistung brauche ich denn?
Auch da gibt es viele pauschale Antworten, die so pauschal fast immer komplett danebenliegen.
Will man hartes Licht oder weiches Licht? Will man das auf zwei, fünf oder zehn Meter Abstand, in
einem weissen Raum von 20 m² mit 2,10m Deckenhöhe oder in einer mattschwarz gestrichenen Halle
bei 8m Deckenhoehe? Und wieviel Schärfentiefe will man denn? Wie sieht die Oberfläche der Motive
aus? (Auch Haut ist eine Oberfläche.....)
In Internetforen bekommt man oft guten Rat. Von Blinden für Blinde. Der eine sagt man braucht
mindestens 1000 Ws, der andere behauptet 200 Ws können zuviel sein. Das sagen sie im Brustton
der Überzeugung, ohne sich von der Frage irritieren zu lassen was denn eigentlich unter welchen
Bedingungen fotografiert werden soll.
Nehmen wir ein Model als Brustbild, das etwas in die Kamera hält. Eva mit dem Apfel. Jetzt soll
sowohl Evas Gesicht als auch der Apfel scharf abgebildet werden.Mit einem 50mm Objektiv an einer
Vollformat-DSLR bekommt man bei 1,5m Abstand ein Bildfeld von ca 70x100cm. Das passt.
Bei ausgestrecktem Arm ist der Apfel aber schon nur noch 90cm entfernt. Man braucht also einen
Schärfenbereich von 90 bis 150 cm, plus eventuell ein wenig Reserve.
Hier kann man sich angucken dass man für einen Schärfenbereich von 86 bis 152 cm mit dem
50er wie oben beschrieben auf 112 cm Entfernung fokussieren und auf Blende 22 abblenden muss.
Ooops....? Genau, das ist gar nicht mal so knapp.
Nehmen wir ein weiches Licht, das ist für Anfänger die wahrscheinlichste Wahl. Aus dem Lichtformervergleich
kann man entnehmen dass man mit einer 60x120 cm Softbox auf 2,5m Entfernung Blende 8 mit
einer Leistung von 616 Ws erreicht. Auf 1,5m ist das bei gleicher Leistung eine Blende mehr, aber
von 16 auf 22 braucht man doppelte Leistung. Und schon ist man bei 1232 Ws.
In Echt.
Hat man nur 500 Ws zur Verfügung, muss man mit der Empfindlichkeit auf rund 320 ISO hoch gehen.
Umgekehrt ist momentan besonders im Amateurbereich eine sehr knappe Schärfentiefe für Portraits
extrem beliebt. Gucken wir wieder in den Lichtformervergleich, kann man entnehmen dass man mit einem
weissen Beauty Dish auf 2,5m ebenfalls mit 616 Ws auf Blende 8 kommt. Runter auf 1,5m Entfernung
sind dafür nur noch 308 Ws nötig. Will man nun die Blende am 1.4 / 50mm Objektiv ganz aufmachen,
muss man den Blitz auf 9,5 Ws reduzieren können. Geht mit dem Beauty Dish und einem neuen Hensel
Expert D 500 so gerade eben am unteren Anschlag. Mit einem Integra 500 Plus kommt man bei ISO 100
nur noch bis Blende 2.0 runter, und mit einem 12" Reflektor wäre man auf die Entfernung leider völlig
chancenlos....... zu effektiv.
Es ist hoffentlich klar geworden dass jeder der eine pauschale Aussage trifft ohne vorher nachgefragt
zu haben was eigentlich unter welchen Umständen fotografiert werden soll puren Dünnsinn redet.
Einfache Antworten kann man hier nicht geben.
Und Draussen?
Ihr ahnt es schon..... kommt darauf an. Im Dunklen, bei hoher Empfindlichkeit? Oder bei praller Sonne
gegen eben diese? Hartes Licht, weiches Licht? Auf welche Entfernung? (Wer hat da "Fangfrage" geflüstert?)
Auch hier gibt es keine einfachen Antworten. Aber Rahmenbedingungen. Sagen wir mal es soll gegen
die Sonne angehen. Profis füllen auf, reduzieren/kontrollieren Kontraste, oder sie verändern komplett
die Lichtstimmung. Mit ganz viel Licht kann man auch Tageslicht töten.
Man sieht zwischendurch sehr schön wie blass und konturlos die Wolken am Himmel sind.
Die Bilder sind nur minimal bearbeitet, der wesentliche Teil ist Licht.
Peng. Dafür braucht man reichlich Leistung. Direkte Sonneneinstrahlung in unseren Breitengraden
bringt ziemlich genau 1/200 sec bei Blende 10 für ISO 100. Weiter runter mit der Empfindlichkeit geht
bei den meisten Kameras nicht oder nur mit Zugeständnissen an die Qualität. Die Blitzsynchronzeit
geht vielleicht noch eine Drittelstufe weiter bis 1/250 sec (ergibt dann Blende 9,5), aber dann ist auch
Ende der Fahnenstange. Die Sonne ist nämlich nicht regelbar. Wenn ich also Licht gegen die Sonne
ausbalancieren will, muss ich mindestens Blende 9,5 am Motiv erreichen, will ich das Tageslicht töten
wie im Bild hier drüber, brauche ich eher Blende 16 oder gar 22.
Gucken wir mal wieder in den Lichtformervergleich: Weisser Beauty Dish auf 2,5m schafft Blende 8
mit 616 Ws Leistung. Mit Vollgas an einem 1200 Ws Porty schaffe ich also
rund Blende 11 auf 2,5m
(für ISO 100) , will ich Blende 16 muss ich sogar auf 1,75m an mein Motiv ran mit dem Licht. Für
Blende 22 muss ich sogar schon auf 120 cm an mein Motiv mit dem Licht ran.
Dabei habe ich dann
schon Probleme mehr als einen Teil meines Motivs auszuleuchten. Mit 300 Ws maximaler Leistung
muss ich sogar bis auf 60cm an mein Motiv heran für Blende 22. Wer jetzt mitdenkt, dem fällt
möglicherweise auf dass das Motiv oben so nicht geht. Auf 60cm Entfernung wäre dem Bild nämlich
die Lampe im Bild. Mal ganz abgesehen davon dass eine Lampe die 60cm von z.B. seiner linken Hand
(im Bild rechts) entfernt wäre dann schon drei mal so weit von seiner rechten Hand (im Bild links)
entfernt wäre. Das Licht nimmt mit dem Quadrat der Entfernung ab. Dreifache Entfernung ergibt ein
Neuntel des Lichts, also von einer Hand zur anderen glatt drei Blenden weniger. Das ist NICHT lustig.
Fazit: Bei Tageslicht sind 1200 Ws keineswegs Luxus, wenn man sein Motiv nicht nur punktuell
anstrahlen will und noch ein kleines bisschen Arbeitsabstand haben möchte. Mit 500 Ws reduziert
sich die Reichweite auf 60%, mit 300 Ws hat man gar nur noch 50% der Reichweite.
Und was kaufe ich jetzt?
Am besten erst mal keine Technik, sondern ein Buch (Klick!). Und dann heisst es meditieren
und gründlich den eigenen Bedarf analysieren. Wenn man glaubt den zu kennen, dann sollte
man sich alles was man zu kaufen beabsichtigt anschauen. Live und in echt. Auch eine Nummer
grösser und kleiner als man sich ausgedacht hat. Nichts kaufen was man nicht aus eigener
Anfasserfahrung kennt, keinesfalls nur nach Forenwissen und Prospektdaten kaufen.
Wenn dann gekauft wird, dann konservativ. Einen Blitz, dazu einen oder zwei Lichtformer.
Nicht zuviel auf einmal. Das beherrscht man nicht, und man ärgert sich anschliessend über
den ganzen Mist den man gekauft hat aber nie benutzt. Das Ziel ist herauszufinden an welcher
Stelle eine Erweiterung Sinn macht und genau das zu beschaffen.